Raum der Namen

Die Entstehung einer Biografie

Der »Förderkreis Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V.«  sammelt Spendengelder für den Raum der Namen.
Damit Sie als Unterstützer erfahren, wofür die Spendengelder verwendet werden, stellen wir Ihnen die Arbeitsweise, das Team und die Kosten zum Raum der Namen vor.

Neue Hör-Biografien für den "Raum der Namen". Projektzeitraum: Febr. 2014 bis Febr. 2015.

Themenschwerpunkt: »Juden im Baltikum und in der Ukraine« 

Recherchiert und verfasste Texte: 528

Produziert: 468 Hör-Biografien
Im Raum der Namen neu zu hören ab 1. Juni 2015:  468 Hör-Biografien

GESAMTBESTAND für den "Raum der Namen": 11.510 Hör-Biografien


1. LETTLAND (91 Biographien)

Zu Liepaja / Libau haben wir 30 Biographien recherchiert und verfasst, darunter 9, die im KZ Kaiserwald inhaftiert waren.

Zu Talsi haben wir 10 Biographien recherchiert und verfasst.

Zu Vilaka/Marinehausen haben wir 10 Biographien recherchiert und verfasst.

Zu Krustpils/Kreuzburg haben wir 10 Biographien recherchiert und verfasst.

Zu Jelgava/Mitau haben wir 16 Biographien recherchiert und verfasst.

Zu Tukums haben wir 15 Biographien recherchiert und verfasst.

Alle Lettlandbiographien sind in der Datenbank. Bis auf die Biographien aus dem Ort Tukums wurden alle während der Produktionen bei World Voice und Cine Plus aufgenommen.

Asne Solovej. Sie wurde 19 Jahre alt.

Als Beispiel eine Biographie mit Foto:

Asne Solovej wurde 1922 im heute lettischen Ort Balvi geboren. 

Sie war die Tochter von Aron und Hinde Sore Solovej und wuchs mit 

vier Geschwistern auf. Asne Solovej lebte später im weiter südwestlich gelegenen Ort Krustpils und erlernte die Landwirtschaft. Im Juni 1941 besetzte die deutsche Wehrmacht Krustpils. 

In den darauffolgenden Wochen erschossen die Besatzer die jüdische Bevölkerung und jüdische  Flüchtlinge im Wald von Koksene und im örtlichen Schlachthaus. Allein im August starben auf diese Weise 420 Menschen. Asne Solovej wurde 1941 vermutlich bei einer dieser Erschießungen ermordet. Sie war 19 Jahre.

 

 

2. UKRAINE: (134 Biographien)

Zu den über 57.000 Jüdinnen und Juden, die 1941 bei Massenerschießungen in der Ukraine ermordet wurden 

Zu Babij Jar waren 70 Biographien in der Datenbank vorhanden, weitere 69 Biographien haben wir recherchiert und verfasst. 

Die Opfer kamen größtenteils aus Kiew.

Zu Kamyanets Podilskyy haben wir 65 Biographien recherchiert und verfasst, insgesamt sind 91 Biographien in der Datenbank vorhanden. 

Alle Ukraine-Biographien sind in der Datenbank und wurden während der Produktionen bei Cine Plus aufgenommen.

3. LITAUEN (103 Biographien)

Skuodas / Shkud: Zu dieser jüdischen Gemeinde, in der 1940 2.200 Jüdinnen und Juden lebten, haben wir 30 Biographien recherchiert und verfasst.

Šiauliai / Schaulen: Neben den knapp 6.500 Juden der Stadt Šiauliai lebten in der Region 28.494 Juden, von denen die deutsche Einsatzkommandos, litauische Polizei und Helfer zahlreiche gleich an Ort und Stelle (in den umliegenden Wäldern) erschossen und in Massengräbern verscharrten. Zu diesen Kindern, Frauen und Männern haben wir 28 Biographien recherchiert und verfasst. 

Olkeniki / Valkininkai: In dieser jüdischen Gemeinde wurden insgesamt 3.446 jüdische Einwohner ermordet. Insgesamt haben wir hier 25 Biographien recherchiert und verfasst. In einem Yizkor Book (Gedenkbuch) konnten wir zudem Fotos der ermordeten Menschen ermitteln.

Rietavas / Rietuva / Redau: Dieser Ort hatte 1.397 jüdische Einwohner/innen um 1900. Wir haben hier insgesamt 20 Biographien recherchiert und verfasst.

Die Litauenbiographien sind alle fertig recherchiert und in der Datenbank. Die Biographien aus den Orten Valkininkai und Rietavas wurden bislang nicht aufgenommen.

4. Aus der Quelle der Übersetzerin Olga Schürer (200 Biographien)


Eine wesentliche Quelle für die Recherche der Biographien war eine Anfrage von Frau Olga Schürer. Diese übersetzte Lebensberichte litauischer Jüdinnen und Juden für Prof. Bernhard Suin de Boutemard (1930–2007), Pfarrer und Professor für Soziologie und Religionspädagogik an der Theologischen Hochschule Friedensau.

Das anvisierte Buchprojekt wurde durch den plötzlichen Tod von Professor Suin de Boutemard nie realisiert. Olga Schürer stellte die Berichte unentgeltlich zur Verfügung.

Es wurden insgesamt 90 von 115 Lebensgeschichten aus dem übersetzten Werk des verstorbenen Professor Suin ausgewertet. 

Daraus wurden 200 Namen ermordeter Jüdinnen und Juden generiert, 70 dieser Menschen waren bei Yad Vashem bislang nicht bekannt. 

Für sie hat unsere Historikerin Nadja Grintzewitsch Gedenkblätter ausgefüllt, welche wir an Yad Vashem gesendet haben. 

Von 20 dieser Menschen existieren Fotos, welche ebenfalls in die Datenbank geladen wurden. In vielen Fällen nannte die überlebende Person zwar den Vornamen, nicht aber Geburtsdatum, Alter oder sonstige persönliche Angaben. Diese Angaben konnte unsere Historikerin Nadja Grintzewitsch durch Recherche in einschlägigen Datenbanken in vielen Fällen rekonstruieren.

Aus den verbleibenden 25 Lebensgeschichten können wahrscheinlich noch mindestens 50 Namen recherchiert werden. 

 

 

Bodana Perius aus der Ukraine

UKRAINE: Beispiel einer Hör-Biografie für den Raum der Namen
Bodana Perius wurde am 13. Oktober 1918 im ukrainischen Kiew geboren. Mit ihrem Mann Boris hatte sie eine Tochter, Shanna. Die junge Familie lebte in der Leontovicha Straße 2, als im September 1941 die Wehrmacht in Kiew einmarschierte. Am 29. September 1941, dem jüdischen Feiertag Jom Kippur, und am darauf folgenden Tag trieben die Besatzer Tausende jüdische Kinder, Frauen und Männer vor die Stadt und erschossen sie in der Schlucht von Babij Jar. 

Eine der Ermordeten war Bodana Perius. 

Sie wurde 22 Jahre alt.

Susman Elis

Ukraine: Beispiel eine Hör-Biografie 

Susman Elis lebte in Zhvanets, nahe der ukrainischen Stadt Kamyanets Podilskyy. Er war Rabbiner und verheiratet. Im Juli 1941 marschierten deutsche und ungarische Truppen in Kamyanets Podilskyy ein. Ab dem 26. August 1941 trieben die Besatzer die Juden aus Kamyanets Podilskyy und Umgebung zu großen Bombentrichtern vor der Stadt. Mitglieder des Polizeibataillons 320 und eines SS-Kommandos erschossen dort in nur drei Tagen 23.600 Männer, Frauen und Kinder. Die verbliebenen Juden wurden im November 1942 ermordet. Von Rabbiner Susman Elis fehlt seither jede Spur.

 

 

Hör-Biografie von Arnold Levy

2009: Zehntausendste Hör-Biografie jetzt im Raum der Namen
Die zehntausendste Hör-Biografie ist vom Berliner Kaufmann Arnold Levy, der 1945 im Konzentrationslager Dachau umkam.

Sein Enkelsohn, der Berliner Pädagoge Mario Levy, stellte im Jahr 2008 eine Besucheranfrage nach seinem Großvater bei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, um dessen Lebens- und Sterbegeschichte in den Raum der Namen aufzunehmen.

 

Die zehntausendste Hör-Biografie jetzt im Raum der Namen

Arnold Levy wurde am 20. November 1905 in Berlin geboren. Er war 12 Jahre alt, als sein Vater als Soldat im Ersten Weltkrieg starb. Arnold Levy besuchte das Gymnasium, wurde Handels-
vertreter und heiratete. 1934 wurde die Ehe geschieden. Er lernte Luise Leubner kennen, die er als Jude jedoch nicht heiraten
durfte. Das Paar bekam zwei Kinder. Als die Verfolgung der deutschen Juden durch die Nationalsozialisten immer intensiver wurde, schlug ihm sein Bruder vor, mit ihm nach Palästina auszu-
wandern. Arnold Levy lehnte ab, weil er seine Familie nicht zurück-
lassen wollte. 1942 deportierte die SS ihn nach Riga, später nach Kaunas. Von dort wurde er in das Konzentrationslager Dachau verschleppt, wo er unter grausamen Bedingungen Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie leisten musste. Er starb am 4. Februar 1945 unter unbekannten Umständen. Arnold Levy war 39 Jahre alt.

Weiteres Beispiel einer Hör-Biografie für den Raum der Namen

Nina Aronowicz wurde 1932 in Brüssel als Tochter polnischer Emigranten geboren. Im Mai 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht Belgien, und die Familie floh nach Südfrankreich. Als auch dort die Deportationen begannen, übergaben die Aronowiczs ihre Tochter einer nichtjüdischen Familie. Bald war Nina jedoch auch dort nicht mehr sicher und wurde in ein jüdisches Kinderheim in Izieu im Rhônetal gebracht. Am 6. April 1944 verhafteten Wehrmacht und Gestapo alle 44 Kinder und ihre Erzieher und deportierten sie nach Auschwitz-Birkenau. Dort wurde Nina in der Gaskammer mit Zyklon B erstickt. Sie war 11 Jahre alt.

Auch Sie können unsere Arbeit unterstützen. Vielen Dank!



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