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Förderkreis
Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V.

Die redaktionelle Erstellung der Hörtexte

Die Sprecher Simon Srebrny (links) und Markus Hoffmann im Studio des RBB [Foto: Stiftung]

Ebenso wie die Recherche erfordert auch die Erstellung der Hörtexte große Sorgfalt. Die Texte müssen für das Hören geeignet sein. Die Sätze dürfen nicht zu lang und kompliziert sein, auch sollen sie eine bestimmte Länge nicht überschreiten. Oft fällt es schwer, eine Auswahl zu treffen. Ist viel über das Leben einer Person bekannt, stehen wir vor dem Problem, dass wir entscheiden müssen, was weggelassen werden soll. Häufig ist aber auch so wenig bekannt, dass wir über die Person selbst kaum etwas sagen können, da wir etwa nur ihren Namen und den Wohnort kennen.

Die Übersetzung der Hörtexte

Zunächst werden die Hörtexte noch einmal einem gründlichen Lektorat unterzogen und Produktionsskripte erstellt. Die Hörtexte werden zudem ins Englische übersetzt.

Da den verwendeten Quellen eine Vielzahl von Sprachen zugrunde liegt, muss häufig auch die Aussprache der Namen und Orte ermittelt werden. Gerade in Gebieten mit großer Sprachenvielfalt ist das oft kein leichtes Unterfangen.

An durchschnittlich drei Tagen im Monat werden Biografien im Studio eingesprochen. Die Studios werden uns von den genannten Sendern kostenlos zur Verfügung gestellt, ebenso ein Tonmeister, der die Aufnahmen durchführt und anschließend schneidet. Ohne diese großzügige Unterstützung wäre die Arbeit in einem solchen Umfang nicht möglich. Wir hoffen, dass wir im Anschluss an die Förderung durch ZDF, RBB und ARD weitere Sendeanstalten für unser Projekt gewinnen können, um eine Produktion aller bereits recherchierten und noch zu recherchierenden Biographien sicherzustellen.

Die Tonaufnahmen der Biografien erfolgen durch professionelle Sprecher
Die Aufnahmen werden mit professionellen Rundfunksprechern durchgeführt. Die kurzen Texte, in denen häufig Orts- und Personennamen in mehreren Sprachen vorkommen, stellen die Sprecher zuweilen vor eine große Herausforderung. Zudem handelt es sich ja nicht um Nachrichtentexte, sondern um Gedenktexte, die im Grunde einen Grabstein ersetzen. Diese Arbeit ist nur mit Profis zu leisten und wird von unseren Sprechern mit bewundernswertem Engagement gemeistert.
Im Studio sitzen immer zwei Sprecher, ein deutscher und ein englischer Muttersprachler. Die deutsche und die englische Version des Textes werden im Wechsel gesprochen und aufgenommen. An einem Studiotag entstehen so etwa 100 Hörbiographien.

Die Hörbiografie im Raum der Namen

Wenn die Aufnahmen von den Tonmeistern fertiggestellt sind, fertigt die Stiftung die Grafiken für die Projektion der Namen und Lebensdaten an.

Nun können die Biografien in das System eingespielt und freigeschaltet werden.

2009 zehntausendste Hörbiografie im Raum der Namen

Arnold Levy wurde am 20. November 1905 in Berlin geboren. Er war 12 Jahre alt, als sein Vater als Soldat im Ersten Weltkrieg starb. Arnold Levy besuchte das Gymnasium, wurde Handels-
vertreter und heiratete. 1934 wurde die Ehe geschieden. Er lernte Luise Leubner kennen, die er als Jude jedoch nicht heiraten
durfte. Das Paar bekam zwei Kinder. Als die Verfolgung der deutschen Juden durch die Nationalsozialisten immer intensiver wurde, schlug ihm sein Bruder vor, mit ihm nach Palästina auszu-
wandern. Arnold Levy lehnte ab, weil er seine Familie nicht zurück-
lassen wollte. 1942 deportierte die SS ihn nach Riga, später nach Kaunas. Von dort wurde er in das Konzentrationslager Dachau verschleppt, wo er unter grausamen Bedingungen Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie leisten musste. Er starb am 4. Februar 1945 unter unbekannten Umständen. Arnold Levy war 39 Jahre alt.

Weiteres Beispiel einer Hörbiografie für den Raum der Namen

Nina Aronowicz wurde 1932 in Brüssel als Tochter polnischer Emigranten geboren. Im Mai 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht Belgien, und die Familie floh nach Südfrankreich. Als auch dort die Deportationen begannen, übergaben die Aronowiczs ihre Tochter einer nichtjüdischen Familie. Bald war Nina jedoch auch dort nicht mehr sicher und wurde in ein jüdisches Kinderheim in Izieu im Rhônetal gebracht. Am 6. April 1944 verhafteten Wehrmacht und Gestapo alle 44 Kinder und ihre Erzieher und deportierten sie nach Auschwitz-Birkenau. Dort wurde Nina in der Gaskammer mit Zyklon B erstickt. Sie war 11 Jahre alt.

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HEUTE und mit Hilfe von Spenden, die der Förderkreis für den Raum der Namen sammelt, konnten die Recherchen bis heute fortgesetzt werden. 

Dank dieser Spendengelder
 beläuft sich der GESAMTBESTAND an Hör-Biografien für den"Raum der Namen" auf 11.510 Hör-Biografien. 
(Stand Mai 2015)

Mehr Infos zur Arbeitsweise 
 www.raum-der-namen.de.
"Neue Hör-Biografien 2014/15

 

Auch Sie können unsere Arbeit unterstützen. Vielen Dank!



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