“Antisemitismus“: Woher, Weshalb, Wohin? Dem Judenhass auf den Grund gehen

Die Vortragsreihe findet im Rahmen des Festjahres 2021 statt: „1700 JAHRE JÜDISCHES LEBEN IN DEUTSCHLAND“   
Antisemitismus tötet. Nicht irgendwo und irgendwann, sondern hier und heute. In Deutschland. Wenn es eines Beweises bedurft hätte - Halle hat ihn geliefert.

Er kommt aus der Mitte der Gesellschaft. Antisemitische Ressentiments finden bei rund 20 Prozent der Bevölkerung Widerhall, beim israelbezogenen Antisemitismus liegt die Quote sogar bei 40 Prozent. Wir forschen nach seinen Wurzeln, wollen wissen, woher er kommt und wohin das treibt. Wenn heute auf Straßen „Kindermörder Israel!“ skandiert wird, rekurriert das nicht auf den mittelalterlichen Vorwurf, Juden würden christliche Kinder töten? 
Die Bilder des alten Judenhasses werden seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergetragen. Wie ein Chamäleon passt er sich dabei den jeweiligen Gegebenheiten an. Der Antisemitismus von Heute ist im Grunde sehr alter Wein in neuen Schläuchen. Ist es da vermessen zu sagen: „Der Judenhass gehört zum kulturellen Erbe Europas!“?
Daher werden wir die ikonografischen Aspekte des Antisemitismus und deren Transformationen in die heutige Zeit darstellen und analysieren. Neben den antijüdischen Elementen der christlichen Tradition widmen wir uns dem rassistischen und rechtsradikalen Antisemitismus ebenso wie dessen Ausprägungen in der radikalen Linken sowie in islamistischen Ideologien. Wir zeigen die mannigfaltigen Wurzeln des Antisemitismus auf.  
Wir präsentieren Themen, die Gegenstand sorgfältiger und facettenreicher wissenschaftlicher Forschung sind. Aber deren Inhalte sind in ihrer Komplexität einem breiteren Publikum und auch vielen Multiplikatoren im Bildungsbereich oft nicht bekannt. Dem soll unsere Veranstaltungsreihe abhelfen:
In sieben Veranstaltungen (Vorträge/Diskussion) konzentrieren wir uns auf die wichtigsten Aspekte des Antisemitismus, sowohl in seinen historischen als auch in seinen aktuellen Dimensionen. In einer Schlussveranstaltung wollen wir uns der Entwicklung von Strategien zur Bekämpfung des Antisemitismus widmen.
Schirmherr:  Dr. Felix Klein – Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus
Träger: Förderkreis “Denkmal für die ermordeten Juden Europas e. V.“, Jüdische Gemeinde zu Berlin, Moses-Mendelssohn-Stiftung Berlin

Mittwoch, 05. Mai 2021 – 19 Uhr Eröffnungsveranstaltung

Wo:  Jüdische Gemeinde zu Berlin, Fasanenstraße 79-80
Begrüßung:  Lea Rosh- 1. Vorsitzende “Förderkreis „Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V.“
Grußwort: Dr. Felix Klein – Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung
Grußwort: Dr. Gideon Joffe – Vorsitzender Jüdische Gemeinde zu Berlin 
Referent: Prof. Dr. Julius H. Schoeps  /  Moses Mendelssohn-Stiftung, Berlin
Hinweis: Aufgrund der aktuellen COVID-19-Pandemie können die Termine kurzfristig wieder geändert werden.
Wir freuen uns, Sie bald wieder begrüßen zu dürfen.

1. Visualisierung von Antisemitismus/ Christlicher Antijudaismus 
Nicht die jeweilige soziale Wirklichkeit, sondern die Anschuldigungen der Kirchenväter von Origines über Augustinus und Johannes Chrysostomus bis hin zu Hieronymus schufen des Stereotyp: das von Generation zu Generation weitergegebene Zerrbild des Juden. Als Urtypus des Sünders und Frevlers immer wieder nachgezeichnet und mit neuen Farben ausgemalt wirkt der Jude als abschreckendes Beispiel. Mit dem Katechismus nimmt es  das Kind auf und der Erwachsene in der Kirche durch die Predigt. Jede Skulptur und jedes Gemälde über Kreuzigung des Heilands und der Märtyrer, mit denen die Kirchen ausgeschmückt sind, erinnern daran und verdeutlichen es. Im Lied, im Märchen, aber auch im Passionsspiel – überall taucht dieses Bild auf, das nicht nur alle tradierten Vorurteile bündelt, sondern vielfach auch als Aufforderung begriffen worden ist, sich gegen die Juden abzusetzen und sich ihrer handgreiflich zu erwehren.