02. Nov. 2026: Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus 2026 geht an zwei Vereine aus Brandenburg und Sachsen
Der „Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus“ geht in diesem Jahr an 2 Vereine, die sich seit vielen Jahren mit Mut, Beharrlichkeit und großem ehrenamtlichem Engagement für Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen.
Geschichte hat Zukunft – Neuendorf im Sande e. V.
Der 2018 gegründete Verein, vertreten durch Tanja Tricarico und Bernd Pickert, setzt sich für die Bewahrung jüdischer Geschichte und eine lebendige Erinnerungskultur im ländlichen Brandenburg ein. Im Mittelpunkt steht der historische Gutshof Neuendorf im Sande bei Fürstenwalde, der 1931 zu einer jüdischen landwirtschaftlichen Ausbildungsstätte Hachschara wurde, die während des Nationalsozialismus enteignet und Ort der Zwangsarbeit und Deportation wurde.
Mit dem Erwerb des rund 36 Hektar großen Landguts durch den Verein „Geschichte hat Zukunft – Neuendorf im Sande e.V.“ konnte dieser bedeutende historische Ort 2018 vor einer rein wirtschaftlichen Verwertung bewahrt werden. Der Verein widmet sich der historischen Aufarbeitung, der Dokumentation jüdischer Lebensgeschichten und der Kontaktpflege mit Nachfahren ehemaliger Opfer und wirkt als wichtiger Mutmacher gegen Rechtsradikalismus in der Region Fürstenwalde.
Mit Bildungsangeboten für Jugendliche, Workshops, Lesungen und Veranstaltungen wie dem jährlichen „Juttas Festival“, das an die nach Auschwitz deportierte und dort ermordete Jutta Baumwol erinnert, verbindet der Verein historisches Gedenken mit einem klaren gesellschaftspolitischen Auftrag.
Gerade in einer Region, in der rechtsextreme Positionen erheblichen Rückhalt erfahren, setzt der Verein gemeinsam mit lokalen Bündnispartnern ein sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit. Seine kontinuierliche, überwiegend ehrenamtliche Arbeit macht ihn zu einem wichtigen Anker demokratischer Zivilgesellschaft in Ostbrandenburg.
Buntes Meißen e. V. – Bündnis für Zivilcourage
Der Verein „Buntes Meißen e. V.“, vertreten durch seinen Vorsitzenden Bernd Oerhler und die stellvertretende Vorsitzende Dr. Jana Henker, wird für seinen mutigen und beharrlichen Einsatz gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit ausgezeichnet.
Das Bündnis entstand im Juli 2013 als unmittelbare Reaktion auf eine angekündigte Veranstaltung der sogenannten Reichsbürgerbewegung in Meißen. Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter demokratischer Parteien schlossen sich zusammen und setzten mit einem „Fest der Vielfalt“ ein deutliches Zeichen für ein friedliches und respektvolles Miteinander.
Aus dieser Initiative entwickelte sich ein dauerhaftes zivilgesellschaftliches Bündnis, das sich für die Werte des Grundgesetzes, für Demokratie, Vielfalt und die Achtung der Menschenwürde engagiert. Der Verein tritt entschieden gegen Ausgrenzung und menschenfeindliche Ideologien ein und stärkt den demokratischen Zusammenhalt vor Ort.
Mit seinem langjährigen Engagement beweist „Buntes Meißen“, wie wichtig es ist, Haltung zu zeigen und dort öffentlich Widerspruch zu leisten, wo demokratische Grundwerte infrage gestellt werden.
Ein gemeinsames Zeichen für Demokratie und Menschenwürde
„Beide Preisträger stehen beispielhaft für gelebte Zivilcourage“, so Lea Rosh, 1. Vorsitzende des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas e. V. Ihr Engagement zeige, wie viel Ausdauer, persönliche Überzeugung und Mut es erfordere, sich Antisemitismus, Rechtsextremismus und Rassismus entgegenzustellen.
„Gerade in gesellschaftlich schwierigen Zeiten brauchen wir Menschen, die nicht wegsehen, sondern Verantwortung übernehmen und Haltung zeigen“, betont Lea Rosh . „Mit dieser Auszeichnung würdigen wir zwei Initiativen, die Erinnerung lebendig halten und sich mit bemerkenswerter Entschlossenheit für Demokratie, Menschenwürde und eine offene Gesellschaft einsetzen.“
Über den Preis für Zivilcourage
Der mit 2000 euro dotierte „Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus“ wird vom Förderkreis „Denkmal für die ermordeten Juden Europas e. V.“ gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin einmal jährlich an eine natürliche oder juristische Person oder eine Bürgerinitiative verliehen, die durch ihr öffentliches Auftreten im Sinne der Ziele des Förderkreises besonders beeindruckt hat.
Die Verleihung des Preises ist eine der vielfältigen Aktivitäten des Förderkreises zur Verwirklichung seines Vereinszwecks. Der Förderkreis will seiner Satzung gemäß auch damit einen wirksamen Beitrag „zur Erinnerung und Mahnung an die Ermordung europäischer Juden während der Naziherrschaft, zur Förderung demokratischer Gesinnung, zu allgemeiner politischer Bildung, zur Völkerverständigung, zum Schutz von Minderheiten sowie zur Abwehr von Diskriminierungen, insbesondere von Juden“ leisten. -> mehr erfahren