Die Orgel von Theresienstadt

Eine imposante Orgel dominiert heute die Empore der Garnisonskirche von Theresienstadt. 1898 ersetzte die renommierte Firma Rieger die ursprünglich spätbarocke Orgel durch ein zweimanualiges Instrument mit klassi­zistischem Gehäuse. Nach der Expertise eines Prager Orgelbauers handelt es sich wohl um eines der interessantesten romantischen Instrumente in der Region.

Obwohl das Material der Orgel – wie etwa das Holz – gut erhalten ist, gilt die zuletzt im Jahr 1950 reparierte Orgel als kaum spielbar: Einige Pfeifen fehlen, die anderen sind verstimmt und schlecht intoniert. Störend wirkt der laute Ventilator der Orgel, den die Akustik der Kirche noch verstärkt. Zur Restaurierung der Orgel wurde von dem renommierten Prager Orgelbauer Peter Nožina eine detaillierte Planung erstellt.

Das Musikleben im Ghetto
Das Lager Theresienstadt spielte eine besondere Rolle im KZ-System. Die Nationalsozialisten machten die ehemalige Festungsstadt 1941 zum Durchgangslager für die Transporte von Juden nach Auschwitz, Treblinka, Majdanek oder Sobibór. „Jenen direkten und massiven Terror, der in den übrigen Lagern die Juden in den schnellen Tod trieb, gab es hier nicht“, konstatiert der tschechische Musikwissenschaftler Milan Kuna.

Die Menschen, die die SS zuerst nach Theresienstadt de­portierte, fanden dennoch schlechte Lebensbedingungen vor. Dass diese später etwas erträglicher wurden, lag an den Plänen der Nazis, Theresienstadt zeitweilig in eine Art Mustersiedlung umzuwandeln, um die internationale Öffentlichkeit über den wahren Charakter von Konzentrationslagern hinwegzutäuschen. Anfangs verbotenes Musizieren wurde später geduldet und schließlich aktiv gefördert.

Das Reservoir für ihre perfiden Pläne fanden die Nazis in den zahlreichen Künstlern, die sie aus den unterschiedlichsten Reichsgebieten nach Theresienstadt deportierten. Die große Zahl auch professioneller Musikschaffender etablierte dort zunächst auf eigene Faust ein ausgeprägtes kulturelles Leben: Sie führten Opern und Oratorien auf, gaben Solokonzerte, spielten als Kammerensemble oder Orchester. Musiziert wurde in den Höfen, auf Dachböden und in Turnhallen

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